Gesine Meißner

Stark vor Ort
für Sie
In Europa

MdEP

Umstellung zwischen Sommer- und Winterzeit

Brüssel |

Herr Präsident! Herr Kommissar, Sie sind nicht schuld an der ganzen Sache, das wissen wir. Wir/Sie sind nicht verantwortlich, aber Sie sind in der Kommission, und darum erwarten wir natürlich, dass Sie zurückberichten an die zuständigen Kommissare, was wir jetzt hier sagen.

Ich glaube, es herrscht hier nämlich große Einigkeit im Raum – wir sind gar nicht so viele; das liegt daran, dass Donnerstagnachmittag ist. Aber ich bin sicher, wir sprechen alle einheitlich für sämtliche europäischen Bürgerinnen und Bürger. Wir wollen das nicht mehr, dass die Zeit permanent umgestellt wird. Die meisten Menschen wollen das nicht. In Deutschland wollen das nach aktueller Umfrage 73 % nicht. Warum die anderen das wollen, weiß ich nicht – aber ist egal. 73 %, das ist eine deutliche Mehrheit.

Wir haben auch verschiedentlich schon Initiativen vom Parlament dazu gehabt. Es gab gemeinsame Anhörungen von verschiedenen Ausschüssen, wo Sie Stellung genommen haben. Und es wurde schon von meinem Kollegen Arne Gericke die Studie von 2014 zitiert. Da haben Sie aber nur die Frage untersucht, ob die Mitgliedstaaten einverstanden wären, wenn man eben die Zeitumstellung abschaffen würde, ohne sich darauf zu einigen, was denn jetzt die gleiche neue gültige Zeit ist.

Aber das wollen wir ja gar nicht. Wir wollen ja, dass es europaeinheitlich gemacht wird, dass man sich wirklich überall einigt, entweder Winter- oder Sommerzeit – das müsste man dabei absprechen –; aber dass natürlich die Zeit überall die gleiche bleibt.

Bei der Einführung 1980 gab es bestimmte Gründe, warum man das gemacht hat – probeweise. Man wollte sehen, ob man Energie einsparen kann, und man wollte sehen, ob man z. B. die Unfallhäufigkeit zurückführen kann. Fakt ist: Energieeinsparung gleich null – wurde schon gesagt. Man hat gesehen von zum Teil 0,9 % weniger bis zu 1 % mehr Energieverbrauch, wechselweise Sommer- oder Winterzeit, also praktisch überhaupt kein Effekt.

Die Unfallhäufigkeit ist auch nicht zurückgegangen – statt spätabends sind die Unfälle jetzt frühmorgens. Also auch das hat überhaupt keinen Effekt gebracht. Der Zweck ist also deutlich verfehlt – eigentlich in allen Bereichen. Im Gegenteil: Gesundheitlich klagen viele Menschen – das wurde schon gesagt –, besonders Ältere und auch Kinder, aber auch andere über Schwierigkeiten: Kreislaufstörungen, Schlafstörungen, Herzbeschwerden, sogar Depressionen – 12 % bekommen Depressionen durch Zeitumstellung, das ist erwiesenermaßen so – 15 % mehr Krankmeldungen bis zu vier Wochen nach der Zeitumstellung. Das sind alles ganz gravierende Dinge, und mit der Medikamenteneinnahme, die man regelmäßig hat, hat man auch so seine Probleme.

In der Wirtschaft: Die deutsche Bauwirtschaft hat zum Beispiel durch veränderte Lichtverhältnisse im Bausektor 30 Mio. EUR Umsatzverlust im letzten Jahr gehabt – durch die Zeitumstellung, wurde berechnet. Im Schienenverkehr gibt es Probleme mit den Fahrplänen, die Kühe geben weniger Milch. Also es gibt ganz viele Bereiche, wo das wirklich so ist.

Dann hat das Büro für Technikfolgenabschätzung des Deutschen Bundestages im Auftrag des Bundestages gerade in diesem Jahr herausgefunden: Die Rahmenbedingungen haben sich seit der Einführung der Zeitumstellung entscheidend verändert: Es gibt jetzt andere Beschäftigungsmodelle; es ist auch inzwischen ein Strukturwandel im Energiesektor gekommen; es gibt ein anderes Mobilitäts- und Freizeitverhalten. Das heißt, die kommen zu dem Schluss: Eine Neubewertung ist dringend erforderlich – europaweit einheitlich –, ich sage das noch einmal.

Darum mein Schluss: Ich denke, das ewige halbjährliche Hin und Her zwischen Winter- und Sommerzeit, das wollen wir alle nicht mehr. Das gehört unbedingt abgeschafft, das ist nicht mehr zeitgemäß, es ist überflüssig, und es ist sogar schädlich. Bestellen Sie das bitte Ihren Kollegen in der Kommission!

Ein Video der Rede finden sie hier.

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