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Anerkennung von Berufsqualifikationen in der Binnenschifffahrt (Aussprache)

Straßburg |

Frau Präsidentin! Ich kann wirklich sagen: Heute ist ein guter Tag für die Binnenschifffahrt. Die Binnenschifffahrt ist nicht so bekannt, aber sie ist sehr wichtig für den gesamten Transportsektor. Die Kommissarin kommt vermutlich gleich auch noch dazu.

Es ist so, dass wir jetzt ab sofort, wenn wir das Trilog-Ergebnis bestätigen, einheitliche Regeln für die Binnenschifffahrts-Ausbildung haben – also für Schiffsführer, für Steuermann, für Vollmatrosen und Matrosen. Das gibt es übrigens alles auch in der weiblichen Form. Es gibt also auch schon einige Frauen, die in diesem Sektor arbeiten.

Der gesamte Binnenschifffahrtsektor begrüßt auch diese Regelung sehr, und zwar aus verschiedenen Gründen. Das eine ist: Wir brauchen in Zukunft mehr Binnenschifffahrt. Das ist ein sehr umweltfreundliches Verkehrsmittel, und wir wollen das intensivieren. Wir haben aber zu wenig qualifizierte Arbeitnehmer. Und wir haben auch aufgrund von unterschiedlichen Ausbildungsgängen keine Arbeitnehmermobilität; die wollen wir gerne erhöhen. Gleichzeitig wollen wir ermöglichen, dass man sich als Quereinsteiger aus einem anderen Bereich auch in die Binnenschifffahrt hinein qualifizieren kann. Und insgesamt soll das Ganze dann eben mit neuester Technologie mit Einsatz von Simulatoren und mit Austausch von Erfahrung passieren, sodass wir nachher durch gute Qualifizierung und Kompetenz auf den volleren Flüssen sogar mehr Sicherheit haben.

Es geht da um allgemeine Qualifikationen und auch um Zusatzqualifikationen. Zusatzqualifikationen braucht man zum Beispiel, wenn man Passagierschiffe fährt oder Gefahrgut oder Flüssiggas oder wenn man besonders lange Konvois fährt oder mit Radar zu tun hat. Das sind alles Extra-Prüfungen, die abzulegen sind.

Man muss dabei auch berücksichtigen, dass die Flüsse sehr unterschiedlich sind – unterschiedlich lang, unterschiedlich kompliziert. Ich habe dabei auch viel gelernt, zum Beispiel, dass die Donau eine besonders starke Strömung hat und an manchen Stellen besondere Streckenkenntnisse erfordert, genauso wie zum Beispiel der Rhein, der manchmal besonders dicht befahren und unfallträchtig ist. Auch da braucht man besondere Streckenkenntnisse, und auch die muss man, wenn man dort fahren will, entsprechend qualifiziert erwerben.

Die Standards orientieren sich an etwas, was es schon lange gibt, nämlich an Vorgaben der Rheinkommission. Es gibt auch für andere Flüsse teilweise Flusskommissionen, die sich mit ihrem Fluss gut auskennen und das nun eben alles einfließen lassen.

Natürlich haben wir alte Zertifikate, und dafür haben wir dann eine Übergangslösung gefunden, wie lange die gültig bleiben können. Das war alles kein großes Problem. Das große Problem war zu sehen, für wen, für welche Staaten das gelten soll. Nicht alle Mitgliedstaaten haben zum Beispiel Flüsse. Malta beispielsweise hat keinen Fluss, hat aber eine Seefahrerschule. Es könnte sein, dass die Malteser eines Tages überlegen, sie wollen vielleicht Binnenschiffer ausbilden und den praktischen Teil – ich sehe gerade Peter van Dalen – in Holland machen. Das wäre ja möglich. Und darum haben wir gesagt: Wir müssen sehen, für wen gilt das, für wen gilt es nicht. Gleich herausgenommen haben wir zum Beispiel die Sportboote und auch das Militär und die Polizei und die Rettungsdiensteinsätze. Und wir haben dann gesagt: Man muss überlegen, wenn man gar keine Flüsse hat – wie Malta, Zypern und Dänemark, das zwar einen Fluss hat, der aber nicht schiffbar ist –, dann kann man sagen: Man muss im Moment überhaupt nichts machen, es sei denn, man überlegt, man möchte eine Ausbildung anfangen. Dann muss man natürlich das Gesetz voll umsetzen.

Das zweite ist der Fall Finnland. Finnland hat viele Seen, aber keine direkten Flüsse und ist nicht verbunden mit dem Flussnetz Europas. Ich habe da auch gelernt: Es gibt finnische Saunen mit Außenbordmotor, die brauchen natürlich kein Kapitänspatent; das ist klar. Die haben jetzt die Möglichkeit, dass sie eben nur die Anerkennung des EU-Führerscheins auf jeden Fall umsetzen, dass sie aber nebenbei ihre eigene Ausbildung haben und beibehalten dürfen. Aber nur, wenn die finnischen Seefahrer – auf dem See – nicht auf den Rhein gehen, dann müssen sie die andere Ausbildung auch haben.

Und als Letztes kann man sagen: Alle anderen müssen das eben voll umsetzen.

Es war also ganz schön kompliziert, das durchzubekommen. Ich habe, wie gesagt, viel über Europas Flüsse gelernt. Und es hat mir sehr viel Spaß gemacht, vor allen Dingen mit meinen Schattenberichterstattern – ich sehe sie gar nicht alle. Ich weiß, Merja Kyllönen zum Beispiel hat sich entschuldigt, sie ist nicht da. Aber viele andere sind da, Peter van Dalen ist da. Es war sehr spannend, und ich glaube, wir haben gemeinsam mit den Maltesern ein gutes Ergebnis erzielt. Ich bedanke mich ganz herzlich.

Das gesamte Video finden sie hier | (Rede ab: 18:09:19)

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