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'The Future of Medical Research' – Eine gelungene Veranstaltung

Brüssel |

Am 10. Oktober 2017 fand im Europäischen Parlament ein von mir mit initiiertes Symposium zum Thema 'The Future of Medical Research' statt. Dort hat ein Expertengremium zur Notwendigkeit von Tierversuchen in der medizinischen Forschung berichtet.

Die fünf anwesenden Professoren von verschiedenen deutschen Universitäten gaben einen sehr anschaulichen Überblick über das Thema. Weil in den Medien meist Tierschützer die Debatte anstoßen, haben Tierversuche in der Öffentlichkeit oft ein schlechtes Image, sodass es hilfreich war, einmal die differenziertere Perspektive der Wissenschaft kennen zu lernen.

Oft sprechen Statistiken eine klare Sprache: so wurden beispielweise 99,15 Prozent der 2014 in Deutschland verwendeten Tiere zum Verzehr genutzt und demgegenüber nur 0,35 Prozent für Tierversuche, davon die meisten Mäuse und Ratten (72,8 Prozent). Es handelt sich also um eine nur sehr geringe Menge an Tieren, wenn man bedenkt, dass sie einen wichtigen Beitrag für die Forschung leisten. Denn manches lässt sich nur herausfinden, indem Auswirkungen auf einen vollständigen, lebenden Organismus getestet werden, da dieser um einiges komplexer ist als die Summe seiner Teile.

Die Ergebnisse sind dabei durchaus übertragbar, da Menschen 99 Prozent ihrer Gene mit Mäusen gemeinsam haben. Andere Forschungsmethoden gibt es zwar, aber diese sind schlicht noch nicht so weit entwickelt, dass sie Tierversuche vollständig ersetzen können. Tierversuche haben in fast allen medizinischen Durchbrüchen des letzten Jahrzehnts, insbesondere bei der Behandlung von Krankheiten, eine entscheidende Rolle gespielt. Deutschland ist zudem eines der Länder mit den höchsten Tierwohl-Standards und legt großen Wert auf die Einhaltung des 3R-Prinzips. Danach muss sichergestellt werden, dass sofern alternative Testmethoden existieren, diese anstatt Tierversuchen angewandt werden (Replacement), damit weniger traditionelle Tierversuche nötig sind (Reduction), wobei insgesamt die Belastung der zu Forschungszecken gehaltenen Tiere vermindert und ihre Lebenssituation verbessert werden muss (Refinement).

Das alles zeigt sehr deutlich, dass es zu einfach ist, Versuche mit Tieren einseitig abzulehnen. Noch hängt die Zukunft medizinischer Forschung - deshalb auch allgemeines Lob für den bewusst nicht zu plakativ gewählten Titel unserer Veranstaltung - eben unter anderem von Tierversuchen ab. Dies erkannte zum Beispiel auch eine Teilnehmerin an, die bei dem Thema vor der Veranstaltung eher gespalten war.

Eine Vertreterin der Kommission berichtete zudem über den momentanen Stand der europäischen Gesetzgebung im Bereich Tierversuche. Bei der 2010 in Kraft getretenen Tierversuchsrichtlinie geht es momentan noch darum, die Umsetzung in den Mitgliedstaaten zu überprüfen und - bei erheblichen nationalen Unterschieden - weiter zu harmonisieren. Solche gibt es zum Beispiel bei der Dauer der Zulassung einer beantragten Tierstudie: während eine solche in Belgien durchschnittlich nach weniger als einem Monat erteilt wird, sind es zum Beispiel in Würzburg elf Monate. Auch wer kurzfristig mit schwarzen statt weißen Mäusen forschen will (für das Tierwohl völlig ohne Belang), muss für eine solche Änderung in Deutschland lange auf eine Genehmigung warten. Das hemmt natürlich unnötig das Vorankommen der Wissenschaft. Da die gesetzlichen Grundlagen aber vor 2019 nicht überarbeitet werden und Ende des Jahres lediglich eine erste Bestandsaufnahme vorgenommen wird,, müssen die Forderungen der Professoren nach Verbesserungen noch warten.

Für unsere Veranstaltung erhielten wir durchweg positives Feedback: viele der Anwesenden wünschten sich, dass es mehr derartige Gelegenheit zum sachlichen Austausch über das Thema Tierversuche gibt. Eine eventuelle Folgeveranstaltung in breiterem Rahmen für nächstes Jahr wäre wünschenswert und wird von mir angestrebt.

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